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Holokratie - Eine Chance für Frauen und moderne Unternehmen

Das Wirtschaftsleben verändert sich stetig und nicht erst seit heute ist das Phänomen zu beobachten, dass Organisationen versuchen effizientere Organisationsstrukturen einzuführen. Angetrieben wird diese Veränderung vor allem durch den technologischen Fortschritt und den Bedürfnissen des Kunden. 

Während Kunden zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor allem preiswerte Massenware erhalten wollten und die beste Antwort darauf der Taylorismus war, der das Fließband noch effizienter laufen lies, gibt es heute einen ganz neuen Wandel. Viele Kunden wollen keine standardisierte Massenware mehr, sondern individuellere Produkte, die stärker auf ihre Bedürfnisse eingehen. 

Zudem gibt es den Wandel hin zur Industrie 4.0. Arbeitsplätze sind vernetzt und die Digitalisierung sorgt für eine hochmoderne Arbeitsumgebung selbst in den kleinsten Unternehmen. Wie sieht die Antwort an diese veränderten Umgebungen aus und wie könntest Du oder Dein Unternehmen davon profitieren? 

Im Folgenden werden die Chancen einer neuen Arbeitsumgebung erläutert und im Speziellen das Konzept der Holokratie aufgezeigt. Dieses beschäftigt sich mit dem Aufbrechen alter Hierarchien und versucht eine ganz andere Führungskultur einzurichten. 

Der Wandel in der Arbeitswelt

Die Arbeitswelt und die Wirtschaft ist ständigen Veränderungen ausgesetzt, die sich Unternehmen anpassen sollten. Unternehmen, die trotz neuer Bedingungen an alten festgefahrenen Strukturen festhalten, werden die Chancen der Digitalisierung und Globalisierung nicht effizient nutzen können. 

Um den neuen Bedingungen gerecht zu werden hat sich der Begriff des „New Work“ eingebürgert. Dieser probiert Lösungsansätze für die Industrie 4.0 zu liefern und inwiefern Unternehmen von der neuen Arbeitsumgebung profitieren können. 

Heutzutage stehen wir sowohl Gesellschaftlich, als auch Technologisch an einem Wendepunkt. Automatisierung und künstliche Intelligenz halten Einzug in den Alltag. Fahrzeuge können autonom fahren und Fabriken werden bevölkert von Robotern, die Produkte selbstständig fertigen können. 

New Work versucht eine Antwort darauf zu finden, was sowohl innerhalb der Unternehmen passiert, wenn „traditionelle“ Arbeiten nicht benötigt werden, als auch einen gesellschaftlichen Lösungsansatz zu finden. Schließlich werden insbesondere die einfachen Tätigkeiten von Robotern ersetzt werden. Doch nicht jeder besitzt die nötigen Fähigkeiten, um aktiv in der Industrie 4.0 mitzuwirken und diese zu gestalten. Wie können diese Menschen trotzdem gesellschaftlich in das Arbeitsleben integriert werden und einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft leisten? 

Das Ende des heutigen Job-Systems

Das Konzept des „New Work“ wurde von Frithjof Bergmann entwickelt. Dieser hat sich schon in den 1970er Jahren mit den Veränderungen der Arbeitswelt auseinandergesetzt. Auslöser für diese Überlegungen waren die Arbeitsbedingungen im Kommunismus und der Zerfall des Ostblocks. 

Generell versucht Bergmann eine Antwort darauf zu finden, wie der Mensch frei sein kann und sein Leben nicht von der Arbeitswelt diktiert wird. Schließlich sollte die Arbeit nur ein Teil des Lebens sein, um eine höhere Freiheit zu ermöglichen. In vielen Teilen wird das Leben allerdings von der Arbeit dominiert und führt zu einem unfreien Menschen, dessen Leben von der Arbeitswelt diktiert wird. 

Mit seinem Konzept möchte er nun auf die Frage eingehen, was der Mensch wirklich tun möchte und welche persönlichen Ziele dieser hat. Es beschreibt also nicht, dass die Arbeitsumgebung mit modernen Technologien, wie einem Tablet oder Smartphone ausgestattet wird. Vielmehr beschreibt es einen langen Prozess an dessen Ende eine Person steht, welche sich mit der Arbeit identifizieren und selbst verwirklichen kann. 

Die Utopie dieser Vorstellung

Die Selbstverwirklichung wird bereits in der Bedürfnispyramide von Maslow als eines der höchsten Ziele des Menschen angesehen. Die traditionelle Arbeitswelt hat aber für die meisten Menschen keine Möglichkeit eröffnet sich selbst zu verwirklichen. 

Vielmehr stand im Vordergrund, dass ein ausreichend hohes Einkommen erwirtschaftet wurde, welches für eine Sicherheit sorgen kann. Die Selbstverwirklichung musste also hinter der Erfüllung der Sicherheitsbedürfnissen anstehen. 

Heutzutage ist die Arbeitswelt allerdings sehr viel flexibler geworden. Das Internet eröffnet ganz neue Möglichkeiten eine Selbstverwirklichung zu erreichen und gleichzeitig ein ausreichend hohes Einkommen zu erwirtschaften. Als Beispiel werden von Bergmann Plattformen wie Youtube und Crowdfunding Portale genannt. 

Diese ermöglichen es Menschen, das zu tun worauf sie gerade Lust hätten und damit noch Geld zu verdienen. Auch der 3D-Druck wird als eine Innovation angesehen, der eine Unabhängigkeit von der traditionellen Versorgungskette ermöglicht. Sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen könnten auf völlig neuen Wegen eine Produktionskette aufbauen. 

Zudem steigt das Bewusstsein und das Verlangen des Menschen, dass die Arbeit einen Sinn erfüllen muss. 

Die Situation von New Work heutzutage

Auch wenn die Idee von Bergmann nobel ist und sicherlich den Vorstellungen der meisten Menschen entspricht, ist es dennoch schwer diese Ideen konkret umzusetzen. 

Nicht jede Person kann von Youtube leben und es gibt immer noch mehr als genug Berufe, die nicht gerade erfüllend sind, sondern lediglich ausgeübt werden um ein Einkommen zu erzielen. Von dem Ansatz, dass die Arbeit dem Menschen zur Selbstverwirklichung helfen soll sind wir also noch weit entfernt. 

Dennoch ist ein stetiger Wandel zu beobachten und der Prozess ist ein gesellschaftlich sehr langwieriger, der unter Anderem auch mit der Veränderung des Konsumverhaltens einhergehen wird. In Zukunft wird das eigene Auto nicht mehr als soziales Statussymbol angesehen werden, sondern es werden sich Konzepte durchsetzen in denen Fahrzeuge intelligent geteilt werden. Durch das autonome Fahren findet eine Abkopplung vom Fahrspaß statt und das Fahrzeug wird vielmehr als reines Transportmittel anerkannt werden. 

Auch in Unternehmen wird das Konzept der Neuen Arbeit einen strengen Wandel auslösen. Die meisten Arbeiter werden nicht mehr bereit sein strengen Hierarchien zu folgen, sondern werden vermehrt Eigenverantwortung tragen. 

Die Eigenverantwortung wird sich dadurch zeigen, dass Teams übergreifend zusammenarbeiten werden und die Stärken der einzelnen Personen stärker zur Geltung kommen. Anstatt das also eine komplette Arbeitsteilung mit starren Hierarchien zum Einsatz kommt, werden flexible Teams gebildet, die für jedes neue Projekt oder Arbeit eine effiziente Lösung darstellen. 

Strukturen in Unternehmen werden also aufgeweicht und anstatt das verschiedene Abteilungen bestehen, werden die Mitarbeiten einem gesamten Pool zugeordnet, welcher untereinander stark vernetzt ist. Dadurch entsteht eine höhere Selbstbestimmung und mehr Freiräume. Mitarbeiter werden nach Ihren Stärken den passenden Aufgaben zugeordnet und im Team erledigen Sie die Aufgaben gemeinsam. 

Die Neue Arbeit ist allerdings nur eine übergeordnete Idee, die zwar Ansätze verfolgt, die von den meisten Menschen geschätzt werden, aber noch keine konkreten Lösungsvorschläge bietet. 

Wie kannst Du also Dein Unternehmen ausrichten um von der modernen Arbeitswelt zu profitieren? 

Das Aufbrechen der Hierarchien mit Holokratie

Im Rahmen der Neuen Arbeit wurde schon erörtert, dass die Organisation Deines Unternehmens nicht mehr in starr abgegrenzten Abteilungen oder Bereichen erfolgen sollte. Diese Abgrenzung ist nicht mehr zeitgemäß und erzeugt nicht nur unzufriedene Mitarbeiter, sondern nutzt die Potentiale der modernen Technologie nicht vollständig aus. 

Besser ist es daher, die Strukturen sehr viel flexibler zu gestalten, sodass jeder Mitarbeiter freier in seiner Arbeitsweise wird. So kann von jedem Mitarbeiter das volle Potential abgeschöpft werden und anstatt das dieser nur einen sehr speziellen Aufgabenbereich erfüllt, kann er an der Erfüllung von vielseitigen Aufgaben beteiligt sein. 

Bei der Holokratie geht es nun darum, dass ein ganz neues Führungskonzept geschaffen wird. Denn ohne strenge Hierarchien und Abteilungen muss das klassische Führungskonzept überarbeitet werden. 

Nun sieht die Organisation so aus, dass Teams dezentral organisiert werden. Brian Robertson hat die Idee der „Holacracy“ im Jahre 2007 entwickelt und im eigenen Unternehmen umgesetzt. Er führt ein Softwareunternehmen, in welchem bereits bekannte Ansätze wie Scrum oder Kanban umgesetzt wurden. 

Was ist die „Holacracy“

Im Kern geht es darum, dass alte starre Organisationsstrukturen aufgebrochen werden und durch flexiblere Organisationsformen ersetzt werden. Flexibilität ist heute mehr denn je gefordert, denn die Märkte und der Kunde verändern sich schneller als je zuvor. Dies führt dazu, dass Unternehmen flexibler reagieren müssen. Starre Entscheidungswege über viele Hierarchien können in Deinem Unternehmen dazu führen, dass die Entscheidung zu spät getroffen wurde. Die Konkurrenz könnte Deinem Unternehmen schon einen Schritt voraus sein und Du wirst der Entwicklung hinterher sein. 

Im Sinne der dezentralen Teams gibt es keine zentralen Entscheidungsgeber mehr. Vielmehr wird die Verantwortung auf jeden Mitarbeiter verlagert. Dies steigert die Selbstbestimmung und insgesamt die kollektive Intelligenz der Organisation. 

//Beschreibung der Abbildung 

Ganz ohne Struktur erfolgt diese Organisation allerdings auch nicht. Anstatt, dass jetzt Führungspersonen der Struktur vorstehen und Entscheidungen treffen, übernimmt jeder Mitarbeiter eine bestimmte Rolle. Die Teams, die an einer gemeinsamen Aufgabe arbeiten werden als gemeinsamer Kreis bezeichnet. Das Unternehmen als Gesamtes kann als großer Kreis visualisiert werden, der demnach aus vielen kleineren Unterkreisen besteht. Eine gewisse Struktur ist also vorhanden, nur das die Hierarchien jetzt viel flexibler sind. 

Werden bei der klassischen Struktur Entscheidungen immer von der nächsthöheren Stufe getroffen, sind bei der modernen Struktur alle Beteiligten stimmberechtigt. Aus jedem Kreis wird jeweils ein Vertreter gewählt, der dem nächst höheren Kreis angehört. Der Vertreter gibt dabei die Entscheidung „seines“ Kreises an die höhere Ordnung weiter. So kann jeder Mitarbeiter im Unternehmen einen Einfluss ausüben und jede Stimme wird gleichberechtigt gehört. 

Die vier Säulen dieser Organisation

Die moderne Organisationsform ist insgesamt zwar flexibler, das heißt aber nicht, dass sie keine Regeln befolgen muss. Willst Du selber dieses Konzept in Deinem Unternehmen integrieren, dann solltest Du die folgenden vier Leitlinien befolgen. 

Doppelte Verbindungen

Eine strenge Hierarchie aus Führungskräften und Entscheidungsträgern gibt es bei den Teams und Kreisen nicht mehr. Damit die Entscheidungen der einzelnen Teams jedoch im über- oder nebengeordneten Kreis ankommen, soll ein Vertreter gewählt werden, der die Entscheidung des eigenen Teams weitergibt. So wird sichergestellt, dass alle Kreise von den Entscheidungen der Teams in Kenntnis gesetzt werden. Dies verhindert, dass Kreise isoliert aneinander vorbei arbeiten und keine Kommunikation untereinander besteht. 

Offene und rege Kommunikation ist für solche eine Organisationsform eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für einen hohen Erfolg. Zudem sind alle Stimmen gleichberechtigt und Entscheidungen werden demokratisch getroffen. 

Trennung von operativem und strategischem Geschäft

Ein Leitgrundsatz ist, dass jeder Kreis seine Tagesaufgaben autark erledigen kann. Dazu kann er seine Organisation und seine Arbeitsweise autonom festlegen. So ist er selber für das Erreichen der Ziele verantwortlich und wird nicht durch andere Kreise negativ beeinflusst. Auf diese Weise wird verhindert, dass übergeordnete Teams in die Tagesaufgaben eingreifen und es zu Reibungsverlusten kommt. 

Für die langfristige Planung gibt es sowohl übergeordnete Teams, als auch Steuerungstreffen. Um eine offene Diskussionskultur zu erhalten, sollte in diesen Treffen nicht über Ressourcen gesprochen werden. Wenn neue Ideen oder Strategien erörtert werden, dann sollte Geld oder Zeit noch kein limitierender Faktor sein. Jede Idee sollte offen erörtert werden, ohne das Geld oder Zeit eine Limitierung darstellen würden. 

Aufgaben klar verteilen

Eine möglichst hohe Freiheit in der Selbstorganisation heißt nicht, dass jeder Mitarbeiter das machen kann was er möchte. Innerhalb des Teams müssen Zuständigkeiten und Rollen klar verteilt werden. Zwar gibt es keine übergeordnete Führungsperson, die Aufgaben müssen zur Zielerreichung dennoch klar abgesteckt werden. Dadurch wird Konflikten vorgebeugt und die Ziele können gemeinsam erreicht werden. In Steuerungstreffen kann erörtert werden, ob die Rollenverteilung für alle Personen zufriedenstellend ist und eine Veränderung erstrebenswert sein könnte. 

Eine dynamische Entscheidungsfindung

Viele Unternehmen und Organisationen kranken daran, dass sie eine lange Entscheidungsfindung haben und versuchen immer die perfekte Lösung zu finden. Oftmals ist es jedoch besser, wenn eine praktikable Lösung schnell umgesetzt wird, als wenn zu lange gewartet wird um die perfekte Lösung zu finden. 

Aus diesem Grund gibt es die dynamische Steuerung. Treten Probleme auf oder wird eine neue strategische Ausrichtung gefordert, dann werden Lösungsvorschläge unter Einbeziehung des Teams erörtert. Verschiedene Lösungsansätze können dann per Stimmentscheid gewählt werden. Jedes Teammitglied ist stimmberechtigt und in einem demokratischen Prozess wird schnell und unkompliziert der beste Ansatz verfolgt. 

Zeigt sich nach kurzer Zeit, dass der Lösungsansatz mit Problemen behaftet ist, dann sollte nicht gezögert werden, um Verbesserungsvorschläge zu erörtern und umzusetzen. So ist die Organisation stetig einem dynamischen Prozess ausgesetzt, der eine kontinuierliche Verbesserung mit schnellen Lösungen anstrebt. 

Chancen für Frauen

Die bisherige Führungskultur ist davon geprägt, dass Männer an den entscheidenden Ebenen die Verantwortung tragen. Sowohl in der obersten Hierarchieebene, als auch den darunterliegenden Ebenen sind Männer mit hoher Verantwortung ausgestattet. 

Dies führt dazu, dass Frauen es oftmals schwer haben sich gegen die Männer durchzusetzen und diese von Männern dominierte Führungskultur zu durchbrechen. Eine Frauenquote kann zwar helfen, dass die absolute Zahl an Frauen in der Führungsebene zunimmt, aber sie sorgt nicht dafür, dass Frauen auch gleichberechtigt anerkannt werden. Denn oftmals werden sie immernoch nicht von den Männern als gleichwertiges Mitglied anerkannt. 

Bei einer dezentralen Unternehmensorganisation ohne starren Hierarchien bieten sich für Mitglieder aber vielfältig Chancen, um zu beweisen, wie hoch die eigenen Fähigkeiten sind. Es wird vielmehr darauf geachtet, wie hoch der Anteil an der Zielerreichung ist und wie groß der eigene Einsatz ist. 

Für Frauen ergibt sich dadurch die Chance, das die eigene Arbeit viel schneller von den übergeordneten Kreisen anerkannt werden kann. Dies kann zu einem höheren Ansehen und besseren Gehaltsverhandlungen führen. Dennoch muss auch hier beachtet werden, dass Frauen Durchsetzungsvermögen innerhalb des Teams zeigen müssen. Insgesamt eröffnet diese Organisationsform jedoch bessere Chancen für Frauen, um als gleichberechtigte Mitarbeiter angesehen zu werden. 

Fazit zur Holokratie

Siehst Du die Gefahr, dass Dein Unternehmen zu starr arbeitet und nicht schnell genug auf die Veränderungen in der Arbeitswelt reagieren kann? Dann kann die Einführung einer dezentralen Organisationsstruktur helfen, die Entscheidungsfindung zu verkürzen und jedem Mitglied Verantwortung zu übertragen. 

Die dezentrale Organisation funktioniert in kleineren Unternehmen mit ohnehin schon flachen Hierarchien besser und kann zu einer höheren Zufriedenheit der Mitarbeiter führen. Beachtet werden sollte allerdings, dass die Mitarbeiter nicht mit der neuen Verantwortung überfordert sind. 

Eine offene Kommunikationskultur ist wichtig, damit Probleme angesprochen und verbessert werden können. Eine dezentrale moderne Lösung sollte zudem immer von einem kontinuierlichem Verbesserungsprozess begleitet werden. 

So kannst Du es schaffen, dass Dein Unternehmen der Konkurrenz immer einen Schritt voraus ist und den Herausforderungen des modernen Marktes besser begegnen.

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