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Lisa Schmidt: sit'n'skate - Handicap mit Vision 

 

Ein interessantes Leben mit vielen Facetten: Das ist doch das, wovon die meisten Menschen träumen. Doch kaum jemand denkt, solange alles gut verläuft, dass das Schicksal von jetzt auf gleich zuschlagen kann. Und schon ist der Mensch mit einer zunächst als negativ empfundenen Facette in seinem Leben konfrontiert. 

Ab diesem Zeitpunkt und für die Zukunft stehen zwei Möglichkeiten zur Wahl: Resignation und alle Einschränkungen als gegeben hinnehmen oder, und dafür sind Lisa und David ein Beispiel, die neue Herausforderung annehmen und das Beste aus der neuen Lebenssituation machen. 

Lisa und David von Sitnskate sind beide auf den Rollstuhl angewiesen. Lisa hat Spina Bifida. Dabei handelt es sich um eine Neuralohrfehlbildung, weil sich gegen Ende des ersten Schwangerschaftsmonats die embrionale Neuralrinne nicht vollständig schließt, wodurch ein Wirbelbogenspalt offen bleibt. Man könnte auch sagen: Es handelt sich um eine Art angeborene Querschnittlähmung. Bis ins Erwachsenenalter hinein konnte Lisa jedoch, wenn auch teilweise mit Gehhilfen, laufen. 

David erlitt vor ca. 10 Jahren einen Unfall, der zur Querschnittlähmung führte. Die positiven RehaEindrücke sowie die Paralympics im Fernsehen konnten Ihn so sehr motivieren, dass er schnell einen positiven Blick für die Zukunft entwickelte. Der absolute Motivationskick erfolgte, als er Aaron Fotheringham auf YouTube sah. Kein Skatepark war vor ihm sicher. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich eine erfolgreiche Sportlerlaufbahn mit mehreren Podiumsplätzen bei den WCMX Weltmeisterschaften und als Krönung sogar ein WM-Titel anschlossen. 

Bei einem meiner Skatekurse lernte ich dann Lisa kennen. Nachdem der Rollstuhl für Sie über einen langen Zeitraum hinweg ein Rückschritt zu sein schien, sagte Sie sich jetzt: Wenn schon Rollstuhl, dann aber auch richtig. Meine positive Außenwirkung in Verbindung mit meinem Sport haben dazu geführt, dass Lisa Ihren Rollstuhl als Fortbewegungsmittel immer mehr akzeptierte. Nicht zuletzt auch deshalb, weil der Rollstuhl Ihre Mobilität im Alltag wesentlich verbessert hat. Es ist nicht mehr erforderlich, überall mit dem Auto hinzufahren. Und auch kurze Strecken sind jetzt flexibler und einfacher mit dem Rollstuhl für Sie zu erreichen. Sie hatte erkannt, dass Sie an Flexibilität gewinnt und kam Step by Step zu der Erkenntnis, dass Ihr Auto auch nicht mehr war als Ihr Rollstuhl, um von A nach B zu kommen. 

Wir hatten uns gefunden und können behaupten, dass jeder für sich aber auch wir zwei im Doppelpack sehr viel erreicht haben. Heute können wir sagen, dass unser Leben mindestens genauso ausgefüllt und abwechslungsreich ist wie unser Leben, als wir noch keinen Rollstuhl brauchten. 

Lisa Schmidt: sit'n'skate - Handicap mit Vision

Aber für was steht sit`n skate – Destroying Stereotypes - eigentlich? 

Wir sind der Meinung, dass Sitzen und Skaten nicht im Widerspruch zueinander stehen müssen. Allerdings wollen wir nicht nur Tipps und Tricks für den Skatepark weitergeben. 

Uns geht es vielmehr darum, dass der Rollstuhl nicht mehr nur als staubiges Hilfsmittel, sondern als cooles und stylisches Sportgerät akzeptiert wird. Dafür organisieren wir Rollstuhl-, Skate- und Mobilitätskurse, machen coole Filme und Fotos und sind auch noch verantwortlich für die Durchführung von Selbsterfahrungs- und Teambuildingkurse. 

EBEN DESTROYNG - STEREOTYPES 

Weg vom Defizitdenken und hin zu den vielen Möglichkeiten, die so ein Rollstuhl bringen kann. Damit das gelingt, helfen wir in unseren Selbsterfahrungskursen, das Sitzen neu zu erfahren. 

Dazu gehört auch, den Umgang mit Rollstuhlfahrern zu erleichtern und leider immer noch vorhandene Barrieren abzubauen. Dafür können wir natürlich unsere eigenen Erfahrungen einbringen, was zu einer nicht zu unterschätzenden Win-Win Situation führt. 

Ein solcher Kurs “Selbsterfahrung“ gliedert sich in drei Bereiche: 

  • dem WCMX Skate Workshop Rollstuhl Grundlagen 
  • der Rollstuhlselbsterfahrung 
  • den Teilnehmerschulungen 

Im WCMX Skate Workshop geht es in den Skatepark. Auch wenn es sich viele nicht vorstellen können. Das Skaten ist für Kinder, Jugendliche und Erwachsene der am schnellsten wachsende Behindertensport. 

Bei der Rollstuhlselbsterfahrung geht es darum, Nichtbehinderten zu zeigen, welche Hürden Rollstuhlfahrer im Alltag immer wieder überwinden müssen. Bei diesem Event sitzen Nichtbehinderte im Rollstuhl. So lassen sich Barrieren und Stereotypen aber auch Vorurteile abbauen. 

Mit der Rollstuhlselbsterfahrung können einerseits Berührungsängste abgebaut und Menschen, die nicht im Rollstuhl sitzen müssen, auf die Begegnung mit Rollstuhlfahrern vorbereitet werden. Hinzu kommt, dass die vielen großen und kleinen Schwierigkeiten, mit denen Rollstuhlfahrer immer wieder zu kämpfen haben, den Menschen bewusst werden, sobald Sie selber mit ihnen konfrontiert werden. Auf diese Weise können wir zum Beispiel darauf aufmerksam machen, dass bei einer zwei- bis dreistufigen Treppe eine kleine Rampe ausreicht, damit Rollstuhlfahrer rauf und runter fahren können, ohne ein Risiko einzugehen oder andere um Hilfe bitten zu müssen. Ein Spiegel im Bad, in dem sich alle sehen können, wäre auch eine tolle Sache. Oder Tische, die sich in der Höhe verstellen lassen. Alles Kleinigkeiten mit großer Wirkung! 

Die Mitarbeiterschulungen sollen dazu beitragen, die Anforderungen von Behinderten zur Teilhabe zu erläutern. Der besondere Bedarf soll dabei nicht als Kostenfaktor oder Hindernis verstanden werden, sondern als Möglichkeit sich einem neuen, wachsenden Kundenstamm zu öffnen. 

Dafür werden in der Mitarbeiterschulung drei Bausteine genutzt: 

  • die Präsentation zum Umgang und Bedarf von und mit Menschen mit Behinderung 
  • das Rollenspiel typischer Situationen zwischen Mitarbeiter und Kunden im Rollstuhl 
  • die Selbsterfahrung mit dem Rollstuhl im Arbeitsumfeld (oder dem jeweilig passenden) 

Lisa Schmidt: sit'n'skate - Handicap mit Vision

Es gibt aber noch mehr von Lisa und David: 

Zum Beispiel die Vorträge und Filmvorführungen mit Themen zur Inklusion oder auch interessante Anekdoten als Vortrag mit Präsentation bzw. als Action geladener Skatefilm. 

Bei der Berollung geht es beispielsweise um rollstuhlgerechte Unternehmen und Orte. Die meisten Inhaber und Mitarbeiter sind sich der eigenen Barrierefreiheit nicht sicher. Dann kommen wir vorbei, schauen uns die Situation vor Ort an und beraten. 

Es ist eine unbestrittene Tatsache, dass sich die Unternehmen dem wachsenden Kundenpotenzial von Rollstuhlfahrern öffnen müssen. Darauf wollen und können wir Sie vorbereiten. Natürlich muss nicht immer alles direkt DIN-Norm gerecht sein für unsere Schulungen. Wir wollen vielmehr aufzeigen, dass auch schon kleine Änderungen für viele Betroffene ausreichend sind. So besteht die Möglichkeit, sich diesem Kundenstamm zu öffnen um dann zu erkennen, dass Barrierefreiheit nicht nur einen Kostenfaktor darstellt, sondern eine gute und vor allem auch wichtige Investition in die Zukunft darstellt. 

Nicht zu vergessen ist die urbane Belebung. Nicht selten sind teure Bauprojekte barrierefrei. Aber trotzdem sieht man nur wenige Rollstuhlfahrer. Lisa und David können zum Beispiel mit urbanem Rollstuhltraining, Rollstuhl-Rundfahrten oder einem Skateworkshop helfen, solche Terrains zu beleben und Rollstuhlnutzern diesen neuen Raum zu präsentieren. 

Ein weiteres Modul sind die Rollstuhltraining- und Mobilitätskurse. 

Schließlich werden die alltäglichen Hürden leichter bewältigt, wenn die Betroffenen richtig mit Ihrem Rollstuhl umgehen können. Deshalb freuen sich Lisa und David immer, wenn Sie Rollstuhlfahrer motivieren und in der Rollstuhlnutzung schulen können. 

Unterschieden wird zwischen der Grundlagenvermittlung und den Bedürfnissen für Fortgeschrittene. Deshalb kann dieses Training sowohl im geschützten Umfeld mit Matten und kleinen Rampen zum Üben als auch in der „wirklichen Welt“ stattfinden. 

Der mobile Rollstuhlparcours bietet nahezu überall die Möglichkeit Rollstuhltrainings und Selbsterfahrungskurse durchzuführen. Der Parcours soll demnächst auch kleine Skateparkelemente bekommen und so auch Skatekurse nahezu überall durchführbar machen. 

Seit wann seid Ihr mit sit´n skate und dem neuen Merchandise am Markt? 

Wir sind mit sit`n skate seit fast zwei Jahren am Markt. In dieser Zeit haben wir weitere Skatekurse und auch Mobilitätstrainings angeboten. Hinzu kommt die Schulung von Therapeuten. Kindern und Jugendlichen haben wir die Möglichkeit geboten, Erfahrungen mit einem Rollstuhl zu sammeln. Vor allem David hat aus seiner sportlichen Karriere schon viele Fans. Immer wieder wurden Wünsche geäußert, Shirts, Sticker Aufnäher mit unserem Logo anzufertigen. Diesem Wunsch kamen wir gerne nach. Schließlich finden wir unser Logo auch selber ziemlich cool. Und Lisa hat jetzt die Gelegenheit, Ihre kreativen Ideen auf diversen Kleidungsstücken zu verwirklichen. Der Shop geht in den nächsten Wochen online. 

Ein wichtiges Thema sind ja immer auch die finanziellen Belastungen: Wie sieht es da mit der Unterstützung durch die GKVs oder von staatlicher Seite her aus? 

Für unsere Kurse ist es leider nicht möglich eine Erstattung durch die Krankenkasse oder andere Kostenträger zu bekommen. Eventuell kann man einen Sonderfall erwirken indem im Einzelfall die Kosten getragen werden. Es ist uns aber leider unmöglich selbst mit der Krankenkasse abzurechnen. 

Wo seht Ihr Euch mit Eurem Business in der Zukunft? 

Wir wollen unsere Ideen verwirklichen und unser Angebot ausbauen. Vor allem Schulungen und Rollstuhlkurse sollen weiter ausgebaut werden. Neue Ideen sind bereits in Arbeit. Unser Ziel ist es, etwas zur Schaffung einer Gesellschaft, die dem Inklusionsgedanken Rechnung trägt, beizutragen und uns damit eine wirtschaftliche Basis zu schaffen, mit der wir weitere Ideen und Projekte umsetzen können. 

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