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Unternehmerinnenprofil: Dr. Elke Holst

Bevor wir uns dem interessanten Lebenslauf der Privatdozentin Dr. Elke Holst zuwenden, sei schon einmal gesagt, dass ihr Forschungsschwerpunkt der Arbeitsmarkt ist. Die Forschungsdirektorin am DIW Berlin leitet den Bereich Gender Studies und beschäftigt sich intensiv mit Fragen der Labor Economics und der Gender Economics. Zwei Themen, die in einem sich wandelnden Arbeitsmarkt und im Zusammenhang mit dem hohen Stellenwert der Sichtbarkeit der Geschlechterforschung an Interesse aber auch Brisanz gewinnen.

Im Bereich Gender Studies, gegründet im Dezember 2010 am DIW Berlin und drei Jahre später als erstes wirtschaftswissenschaftliches Institut der Leibnitz-Forschungsgemeinschaft im Vorstandsbereich des DIW verankert, lautet das Ziel, zwischen den Geschlechtern bestehende strukturelle Unterschiede nicht nur aufzudecken, sondern auch zu verstehen. Gesellschaftliche Mechanismen der Produktion sowie Reproduktion dieser Unterschiede sollen sichtbar gemacht und in der Forschung berücksichtigt werden. Auch die Frage, welche Rolle soziale Strukturen und kulturelle Umgebungen spielen und wie von diesen Faktoren das Handeln von Männern und Frauen in unterschiedlicher Weise begrenzt wird, ist ein wichtiger Aspekt dieses Forschungsbereichs am DIW Berlin.

Mittlerweile werden in vielen Abteilungen des DIW Berlin Gender-Aspekte aufgegriffen und für die Zukunft ist eine noch breitere Integration der Thematik geplant. Dabei ist nicht nur die interne und regionale, sondern auch die nationale und internationale Zusammenarbeit bezüglich Ökonomie und Geschlecht von hohem Interesse.

Eingebunden in diesen Prozess sind Mitarbeiter/-innen des DIW Berlin, nationale und internationale Wissenschaftler/-innen sowie ideelle Förderer/-innen.

Zur Vita der Privatdozentin Dr. Elke Holst

Den Grundstein legte PD Dr. Holst mit ihrem Studium der Volkswirtschaftslehre an der Johann-Wolfgang-Goethe Universität in Frankfurt am Main. Im Jahr 1999 folgte an der TU Berlin am Fachbereich Wirtschaft und Management ihre Promotion mit dem Thema: „Die stille Reserve am Arbeitsmarkt“. Die erfolgreiche Promotion schließt sie mit dem Titel Dr. rer. oec. ab. Daran schloss sich in 2006 ihre Habilitation an der Universität Flensburg für das Fach Volkswirtschaft an. Dieser Abschnitt war mit der Ernennung zur Privatdozentin (PD) verbunden.

Es folgten längere Aufenthalte als Gastwissenschaftlerin in den USA.

Zu den einzelnen Stationen dort gehörten etwa die Brandeis University und die University of California Santa Barbara (UCSB). Dann, im Januar 2009, führte sie ihr Weg ans Michelle Clayman Institut für Geschlechterforschung, das an der Stanford University / USA beheimatet ist. Im Juli 2009 ging es dann an die Massachusetts University in Boston / USA.

Von 1999 bis 2001 war Frau Dr. Holst überwiegend am DIW Berlin tätig.

Seit 2001 bis 2006 war Elke Holst neben ihrer Tätigkeit am DIW Berlin als Lehrbeauftragte an der Europa-Universität Flensburg tätig, wo sie dann nach ihrer Habilitation bis heute als Privatdozentin lehrt.

Seit 1987 arbeitet Elke Holst am DIW Berlin. Ihre dortige Laufbahn begann beim Präsidenten des Instituts. Danach war sie von 1989 bis 2013 in der Abteilung Längsschnittstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP).

Dass Elke Holst seit Dezember 2010 als Forschungsdirektorin und Senior Economist und seit 2013 als Leiterin der Gender Studies im Vorstandsbereich am DIW Berlin tätig ist und geschätzt wird, ist nicht zuletzt ihrer starken Persönlichkeit sowie ihrem hohen und fundierten Erfahrungsschatz zuzuschreiben. Und dieser ist für eine Wissenschaftlerin in seiner Breite eher ungewöhnlich.

Bevor Elke Holst zum DIW Berlin kam, war sie bereits in verschiedenen Tätigkeiten der Privatwirtschaft und an der Frankfurter Universität tätig. Als weitere Station folgte die Hessische Staatskanzlei, in der sie als Redenschreiberin des Ministerpräsidenten wirkte. Dieser breite berufliche Werdegang rundet zusammen mit ihren aktuellen Tätigkeiten als Forschungsdirektorin Gender Studies und Senior Economist am DIW Berlin ihr Erfahrungsprofil ab.

Auf zahlreichen nationalen und internationalen wissenschaftlichen Konferenzen sowie auf Foren im Bereich Wirtschaft und Politik hält sie Vorträge und ist gern gesehener Gast in Diskussionsrunden.

Das Thema Geschlechterungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt beschäftigt sie ganz besonders. In ihren Studien sind erreichte Chancengleichheit und Augenhöhe wichtige Prüffaktoren. Einer ihrer Schwerpunkte ist die vertikale Segregation. Darunter ist die Tatsache zu verstehen, dass Frauen und Männer in der Arbeitswelt hierarchisch unterschiedlich verortet sind. Frauen in Führungspositionen ist hier d a s Thema.

Bereits Anfang der 2000er Jahre veröffentlichte Holst den Indikator „Frauen und Männer in Vorständen und Aufsichtsräten“ und zeigte, mit welch einer überwältigenden Dominanz die Schaltzentralen der Macht in der Wirtschaft in den Händen der Männer liegen. Die Studien führt sie bis heute fort und ihre Ergebnisse werden in der Öffentlichkeit nach wie vor breit wahrgenommen.

Mittlerweile hat sich etwas bewegt, wie es etwa mit dem Gesetz zur Geschlechterquote in Aufsichtsräten zum Ausdruck kommt.

Weiterhin ist die horizontale Segregation, also die unterschiedliche Verteilung von Frauen und Männern auf die Berufe, Inhalt ihrer Forschung. Beide, die vertikale wie auch die horizontale Segregation, haben einen erheblichen Einfluss auf den Gender Pay Gap, wie die Volkswirtin aufzeigt. Dazu liefert sie kluge Vorschläge, wie Wirtschaft und Politik dieser Ungleichbehandlung entgegengetreten können. Ein solches Vorgehen hält sie für notwendig – auch wegen der langfristigen Folgen einer geringen Entlohnung, die etwa im sehr hohen Gender Pension Gap in Deutschland nach der Erwerbszeit Ausdruck findet.

Eine weitere Ursache des hohen Gender Pay Gap sind die Unterschiede in der Arbeitszeit von Frauen und Männern. Elke Holst konnte frühzeitig zeigen, dass ein Abweichen von der „Norm“ durchgängiger Vollzeitarbeit in der Berufsbiografie extrem nachteilig für die Karriere ist. Mehr Flexibilität von Karrieren im Sinne einer größeren Zeitsouveränität für die beschäftigten Frauen und Männer in den Unternehmen, insbesondere währen der Rushhour des Lebens, ist ihr ein Anliegen.

Schließlich publizierte die Volkswirtin auch über Remittances, das sind Rücküberweisungen von Ausländern ins Heimatland, und legte dar, dass die erheblichen Unterschiede zwischen Geschlechtern im Überweisungsverhalten auch mit tradierten Rollen verbunden sind. Einige ausgewählte interessante Publikationen von Dr. Elke Holst in der jüngeren Zeit befassen sich zum Beispiel mit folgenden Themen:

  • Die Berufserfahrung in Vollzeit erklärt den Gender Pay Gap bei Führungskräften maßgeblich. Erscheinungsdatum 25.07.2018.
  • Spitzengremien großer Unternehmen: Geschlechterquote für Aufsichtsräte greift, in Vorständen herrscht nahezu Stillstand.
  • Finanzsektor: Frauenanteile in Spitzengremien steigen langsamer als zu Beginn des Jahrzehnts
  • Geschlechterparität bleibt in weiter Ferne.
  • Hohe Führungspositionen: In der Finanzbranche haben Frauen im Vergleich zu Männern besonders geringe Chancen.
  • Geschlechtsspezifische Verdienstunterschiede bei Führungskräften und sonstigen Angestellten in Deutschland: Welche Relevanz hat der Frauenanteil im Beruf?
  • Germany’s Next Top Manager: Does Personality explain the Gender Career Gap?
  • Mehr oder weniger Arbeiten? Es kommt darauf an, wie man fragt: Methodische Aspekte der Präferenzmessung gewünschter Arbeitszeiten
  • Immigrant Occupational Composition and the Earnings of Immigrants and Natives in Germany: Sorting or Devaluation?
  • Gender, International Networks and Remittances: Evidence from Germany.

Von größtem öffentlichen Interesse ist auch ihr Managerinnen-Barometer, das jährlich veröffentlicht wird und der Führungskräfte-Monitor, der alle zwei Jahre erscheint. Insgesamt hat Dr. Elke Holst weit über 250 Publikationen veröffentlicht.

Vielen Dank für das Interview, Harald Scheerer.

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